Frank van Düren - Willkommen in meiner Welt
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Das Dilemma

19.04.2020

Wenn ich einen Freund umarme, heißt das nicht, dass das automatisch einen Toten zur Folge hat, oder gar mehrere. Unter der Prämisse, es liegen keine akuten Symptome oder gar eine ausgebrochene Erkrankung vor, heißt es vielmehr: Bei einer sehr unglücklichen Verkettung von Faktoren und Zufällen besteht eine zunächst sehr geringe Chance, dass dadurch irgendjemand stirbt. Diese Chance erhöht sich mit jeder Umarmung, die man tätigt, weswegen man das in der momentanen Situation vermeiden sollte. Wenn nun aber besagter Freund wirklich eine Umarmung benötigt, weil es ihm seelisch wahnsinnig schlecht geht, und ich mit dieser einfachen Geste Kraft und Zuversicht spenden kann: Wie entscheide ich mich?

Wenn nun eine Freundin anruft und fleht: "Mein Kerl schlägt mich. Ich halte es nicht mehr aus. Ich muss hier raus. Kann ich zu Dir kommen?" Was antworte ich?

Wenn nun ein Elternteil sich meldet und fragt: "Ich bin so einsam, wir haben uns so lange nicht gesehen. Wann kommst Du mich endlich wieder besuchen?" Was sage ich?

Wenn nun der Freund mir textet: "Ich kann nicht mehr. Ich bringe mich um!" Wie reagiere ich?

Und wenn es unklar bleibt, ob und wann es ein Ende der Pandemie geben wird, stellt sich mir vor allem die Frage: Wer bin ich? Und wenn, ja wie lange?